Nazi-Parolen an der HTL Dornbirn

Wenn in einer Schule und in einer Klasse plötzlich Nazi-Parolen en vogue werden, dann ist das natürlich kein Zufall, sondern Gruppendynamik. Wer nicht allzu vergesslich ist und sich an seine eigene Schulzeit erinnert, weiß wie so ein common sense entsteht – und sei es auch nur im Musikgeschmack oder Kleidungsstil.

Hilfreich ist es, wenn in der Familie und der Schule über Politik gesprochen wird und auch die Verbrechen der Thema sind. Das kann zumindest zu einer gewissen Immunität gegenüber rechtsextremen Umtrieben führen, ist aber noch lange keine Versicherung dagegen, dass Einzelne, die dazugehören wollen, nicht doch durch Gleichaltrige in einen gruppendynamischen Strudel hineingezogen werden.

Der Radikalisierung wird vor allem auch durch den Zustand der Gesamtgesellschaft vorgebeugt oder sie wird eben dadurch begünstigt.

In einem Land, in dem die Werte der liberalen Demokratie und einer humanen offenen Gesellschaft zusehends durch die Regierung gering geschätzt werden und eine Partei mit tonangebend ist, die hemmungslos mit dem Wording und der Symbolik der Nationalsozialisten kokettiert, wird Haltung relativ und die Anfälligkeit für die verbrecherische Gesinnung kultiviert.

Wenn dann noch in rechtsradikalen Magazinen für Polizeinachwuchs geworben wird, Lehrer von den Kindern der KPÖ-Parteikader denunziert werden und die Rechtsregierung im Gleichschritt mit dem ihr symbiotisch zugewandten Boulevard an niederste Instinkte appelliert, Demagogie gegen alles betreibt, das über den Horizont eines deutschnationalen Burschenschafters hinaus geht, dann wird mutwillig der Boden für die Wiederauferstehung eines autoritären und völkischen Staates bereitet – und dies nicht allein in einem Klassenzimmer in Vorarlberg.


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